There Is No Why

Der Zufall hat uns hergeführt. Oder war es Bestimmung, Schicksal, Destiny?
Aus den Tiefen des Rucksacks werden Ur-Fragen des Backpackens gekramt, in neues Gewand verpackt & mit Atemschutzmaske versehen.

Seit ca. 6 Wochen sind Kioloa & Pretty Beach unser Zuhause und wir leben einen ruhigen und gesunden Alltag zwischen Spaziergängen durch den Küstenbush, Schwimmen im kalten grünen Ozean, Serienmarathons auf dem Kuschelsofa vorm Holzofen und Homeschoolingsessions, die wir nun offensichtlich mit einem Großteil der globalen Community gemeinsam teilen.
Wir sind im November mit der Vorstellung aufgebrochen, dass wir auf unserer Reise (anders als bei touristischem Urlaub) Orte suchen, an denen wir für einen längeren Zeitraum bleiben wollen. Eine Erkenntnis der 2-monatigen Boris-Rumpeltour durch Iberia: „Wenns geil ist: bleiben“. Was wir hier in Kioloa bekommen haben, ist das, was wohl die ganze Welt gerade geschenkt bekommt: Ruhe, Reduzieren, Zurückgezogenheit, Family Time, Routinen, Zeit zum Lesen, Nachdenken, Schlafen. Und dazu eine atemberaubende, australische Kulisse.

Vieles Geplante ist geplatzt. Das Zelten im Prom (dem Nationalpark bei Melbourne), das Gondeln entlang der Great Ocean Road, die Wohnmobiltour (Campsites & Parks geschlossen), die Zeit in Sydney bei Freunden und Familie, Mias geplanter High School Besuch in der australischen Schule, der Familiensurfkurs, die Fahrt hinauf ins tropische Australien von Queensland, die vielen zwischenmenschlichen Begegnungen, die wir uns hier erhofft hatten.

Die Frage „Warum?“ alles so kommen musste wie es kam, taucht genauso oft in unseren Gedanken auf wie die Antwort darauf: „Du stellst nicht die richtige Frage„. Die Dinge sind wie sie sind, auch in der grandiosen Absurdität dieser Tage & Wochen. Der Gedankenschritt in die Metaphysik ist ein kleiner: Demut, Loslassen, Akzeptanz. Spirituelles Wachstumspotenzial in your face!

Seit jeher sind wir eher eine Familie, die sich gerne ausklinkt, der wenig Action, wenig Sightseeing, wenig Dates und wenig Spektakel nicht ungelegen kommen. So gesehen, kommen wir mit der momentanen Situation gut klar – ganz davon abgesehen unterscheidet sie sich nicht großartig vom Familienmodus, den wir uns für das Jahr ausgesucht haben und den wir seit ca. September in unserem kleinen Kreis intensiv leben. Wir haben auf dieser Reise wieder einmal gelernt, das wir uns lieber mit einem ausgesuchtem Ort vetraut machen, als möglichst viel Input aufzusaugen.
Trotzdem hätten wir uns höchstwahrscheinlich nie ausgesucht 7 Wochen, insgesamt knapp mehr als die Hälfte unseres Gesamtaufenthaltes in Australien, an einem Ort stationär zu bleiben. Das Warten wird lang, der Wunsch den nächsten Schritt zu unternehmen wächst. Zu groß ist die Vielfalt und Faszination, die dieses Land ausstrahlt. Zu viel will hier entdeckt, durchstöbert, abgelaufen und durchschwommen werden. Wir sind noch lange nicht Australien-satt, aber die Umstände wollen, dass wir relativ lang auf diesem wunderschönen Stückchen hier kauen dürfen.
Gleichzeitig ermöglichen ja erst diese Umstände (z.B. wenig Tourismus, gesenkte Mieten, Dollarkurs etc.), dass wir Australien und speziell Kioloa auf die von uns geliebte Weise, nämlich lange, gründlich und intensiv kennen lernen. Verflixte Dialektitk des Lebens.

Dennoch: das Fazit bleibt: Wir werden nicht versuchen hier ein Visum zu verlängern, um länger das Vagabundenleben auf dem roten Kontinent zu leben. Das Erkunden und Reisen ist zu schwer geworden, unsere Freiheit und Vorstellungen zu eingeschränkt, ein guter Freund würde sagen: ein Kreis ist zu Ende gemalt. It’s time to go home.
Organisatorisch liegt vor uns hier in Australien nur noch die abschliessende Anstrengung, die letzten Wochen ab unserem Abschied von Kioloa (Mitte Mai) und den Flug nach Hause (Mitte Juni) zu planen und organisieren.
Bedeutet wieder einmal: Sprung ins Ungewisse: welche Art von Unterkünften, welche Infrastruktur ist während der Zeit in Australien noch buchbar? Wann öffnet sich das Land wieder und mit welcher Geschwindigkeit, in welcher Reihenfolge? Welche Fluglinien sind für die Heimreise offen, welche internationalen Drehkreuze sind noch geschlossen, wo muss/sollte/darf man international mit Veränderungen rechnen? Werden wir uns nach der Einreise in Deutschland 14 Tage lang quarantänieren müssen? Wenn ja wo? Und wie? Und selbst wenn nicht: wo kommen wir unter bis wir Anfang Juli zurück in unser Häuschen können?

Unser Blick also inzwischen klar und mit warmen Gefühl in Richtung Zuhause gerichtet.
Sasa Stanisics „Herkunft“, das letzte vor der Abreise in Deutschland gelesene Buch, lässt mich über das gesamte Jahr nicht los. Nicht einmal spezifisch der Inhalt, sondern die aufgeworfene Frage nach der eigenen Herkunft und damit verbunden, dem individuellen Heimatbegriff. Ich grübel darüber nach, was meine persönliche Heimat umfasst und konstituiert.

Was ist Heimat?
Wie ist Heimat?
Wo ist Heimat?
Wer ist Heimat?
Wann ist Heimat?

Der Schwarm aus Heimatgedanken wirbelt und spinnt sich durch den Himmel, bastelt sich zu einem Geflecht wie ein riesiges Vogelnest in meinem Kopf. Jetzt gilt es die einzelnen bunten Fäden und Äste dieses Gebildes in der Realität zu manifestieren, aufzuspüren und zusammen zu setzen.

Beautiful people,
einer der wichtigsten Momente des Reisens ist das Heimkehren.
Wir freuen uns auf euch und sind gespannt wann und wie wir uns wiedersehen können!

Be safe, live strong & take care!

Ein Kommentar zu „There Is No Why

  1. Was ist Heimat? Ein Begriff deiner Gefühlswelt
    Wie ist Heimat? Positiv besetzt
    Wo ist Heimat? Da wo du dein(e) Liebstes(n) verortest
    Wer ist Heimat? Die Menschen die dir wichtig sind
    Wann ist Heimat? Wenn du sie spürst

    Liken

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