What they don’t tell you about Thailand

Beautiful people,

aller guten Dinge sind drei. Ein weiteres Mal hat es uns nach Chiang Mai gezogen. Das hier scheint unsere Stadt in Thailand zu sein. In der vertrauten Neighbourhood machen wir uns daran, den Gordischen Reiseknoten Binnfaden für Binnfaden aufzudröseln, damit wir für uns klar bekommen, wie es weiter gehen soll.

Eine Herausforderung auf unserer Reise ist, dass die Möglichkeiten, die uns offen stehen schier unendlich sind. Das kann schon mal überfordernd sein, gerade wenn man nicht unbedingt souverän im Entscheiden ist und gerne tagelang grübelnd an einer Weggabelung verbringt, anstatt flux die Münze zu werfen und links einzubiegen.

Ursprünglich waren wir in den Norden gezogen, um Anfang Januar mit einer Mekong-Bootstour über die Grenze nach Laos überzusetzen. Je mehr wir recherchiert und über die Reise erfahren haben, desto mehr schienen wir allerdings innerlich zu blockieren. Die Tour hat sich mit jeder Info mehr und mehr nach langen und gefüllten Reisetagen angefühlt, die wir mit den Girls und unserem 12 Monatsgepäck momentan eher meiden wollen. Nach drei, vier Tagen mentalem Deadlock „Wie geht es weiter? Wo geht es weiter? Wann geht es weiter?“, sorgte das Ablaufen unseres Visums in Thailand für einen zusätzlichen Stressmoment.

Also: Hoppen über die Grenze nach Myanmar: Tuktuk – MiniBus – Sangthaew – Grenzübergang – einmal in Myanmar über den Grenzmarkt tuckern – Sangtheaw – Localbus – Tuktuk.

Viel Fahrzeugwechsel, viel zäher Straßenverkehr, Hitze, Menschenmassen, im Bus kreuz und quer sitzen und bei offener Tür (keine AirCon) über die Piste klappern. Abends hatten wir zwar 4 neue Wochen Thailand in den Pass gestempelt, waren aber alleine von der Tagesrundreise (ohne Gepäck) ordentlich zerschossen. Danach war klar, wir entscheiden wir uns gegen Tage on the road. So long Laos, wir sehen uns ein anderes Mal.

Jetzt also in die Verlängerung mit Chiang Mai um uns zu sortieren und auszurichten. Nachtmärkte, um die letzten Leckerbissen von der To-Eat-List abzuhaken. Kaffees am kühlen Morgen im Lieblingscafé nebenan und dabei Bulbuls und Sun Birds beobachten. Schulroutine, Mittagshitze im Hotelzimmer aussitzen. Obst shoppen und Fruitshakes schlürfen. Im Veggie Restaurant nebenan das Gewissen grün essen, nach all den Chicken Satay Spiesschen.

Was uns dabei zur Zeit umtreibt ist what they don’t tell you about Thailand.

Zwei Hauptpunkte seien dabei herausgegriffen, die uns in der Familie momentan stark beschäftigen und die viel diskutiert werden.

Thailand stinkt.

Zu Beginn unseres Thailandaufenthaltes waren wir irritiert, wenn wir beobachteten, wie sich Thais auf der Straße eine Art Labello oder Lippenstift ins Nasenloch schoben. Andere Länder, andere Sitten. Erst später lernten wir, dass es sich dabei um kleine Nasenloch-dynamische Röhrchen handelt, die mit einem Duftstoff gefüllt sind (Pfefferminz, Kampfer, Tigerbalm, Jasmin, etc). Man steckt sich das Ding in die Nase, schnupft ordentlich durch und vergisst wenige wohltuende Sekunden was für ein Höllengestank auf der Straße Party feiert.

Spätestens in Chiang Rai, der kleinen hässlichen Schwester von Chinag Mai, schlug der Gestank bei uns in Ekel über. Die Märkte waren überhitzt, das Wasser in den Kanälen giftgrün, über den offenen Theken mit Innereien und Fleischstücken furzen sich Ventilatoren, an denen Plastikstreifen befestigt sind, um die Fliegen zu verscheuchen. Katzen und Hunde gabeln unter den Tischen nach Häppchen. In der Sonne ächzen Eimer voller Fische, Krebse, Garnelen, Schildkröten, Kröten (die letzteren 2 werden nicht verzehrt, sondern ebenso wie Vögel im Tempel freigelassen – Karma, so wurde es dem naiv nachfragenden Flo von einer ungläubigen blinzelnden, zahnlosen Oma erklärt). Dazwischen unzählige Roller und Tuktuks, es wird auf die Straße gerotzt, daneben wird Fisch gegrillt und Tintenfisch getrocknet.

Als Mone und ich uns neulich bei 35 Grad auf der Suche nach Obst durch die ersten Meter des abgestandenen Fleisch-, Fisch, Tier- und Menschengeruch des local Markts in Chiang Rai vorgearbeitet hatten, blickten wir uns an und konnten in den Augen des Anderen quasi ablesen ‚Ich muss sofort hier raus, sonst übergebe ich mich in die nächste Opferschale‘. Flucht.

Extraekelmomente: für die Mädels sind es die flüchtenden Riesenkakerlaken nachts auf dem Weg nach Hause. Für mich persönlich wurde meine sonst relativ unempfindliche Gammelgrenze überschritten als:

  1. ich im Wasserpitcher des Restaurants in dem wir sitzen zappelnde Mückenlarven entdecke.
  2. im Reisebüro ein Riesenglas mit Popcorn (zum Knabbern für die Clients?) steht, in dem wir eine Horde schwarzer Käfer entdecken, die sich dort eingenistet haben und wie in einem Aquarium hin und her krabbeln. Die Quote am Boden des Glases ist 50:50 Insekt und Popcorn. Crunchy!

Thailand liebt dich

Die Thais haben kein Problem mit Annäherung. Die Mädels werden überall gerufen, hergewunken, angefasst. Sie werden von alten Omas umarmt und geküsst. Ihnen werden die Haare geflochten, Früchte geschenkt, die Arme gestreichelt. Sie werden der Familie gezeigt, zu den Katzenbabys, Welpen, Hühnern des Hauses geführt. Sie dürfen das Ziegenbaby füttern und den Hund kraulen. Es werden überall Selfies mit ihnen geschossen. Manchmal wird gefragt ob das klar geht, oftmals auch nicht. Immer dabei viel herzliches Lachen, Lächeln, Kichern, Winken „Beautiful, beautiful!“

Kaum jemand schottet sich ab in Thailand. What’s mine is yours – es gibt eine viel niedrigere Toleranzgrenze für Intimität. Auf dem Weg zum Klo im Restaurant laufen wir durch Küchen und Wohnzimmer und können zusehen wie unser Essen auf einem Campingkocher gebrutzelt wird, oder wie die Oma des Hauses mit 2 Freundin auf der Couch liegt und japanische Quizshows sieht, da der Übergang Garküche/Wohnbereich hier fliessend ist.

Es wird viel gelacht, viel laut gefeiert, gesungen, sich mitgeteilt. Abends wummert immer irgendwo Musik, wird ein Tempel eingeweiht, ist eine Walking Street, findet Karaoke statt, ist das Thai Neujahr, ist unser Neujahr, ist das Chinesische Neujahr, ist halt gerade nicht Neujahr. Es gibt immer einen Grund auf die Straße zu gehen, Lichter anzuknipsen und viel Gegrilltes auf die Teller zu packen. Wir wundern uns nicht mehr über die Begrüßung „Ihr habt Glück, gerade heute abend ist Festival…“ By the way – nicht selten strictly no alcohol.

Dadurch (?) ist es eigentlich immer herrlich entspannt. Abgesehen davon, dass die Menschenmassen Massen von Menschen sind, wundern wir uns immer wieder, wie gut das Alles bei so vielen Gemütern in der Hitze geht. Die Leute schieben sich über die Märkte, stellen sich an die Garküchen, laufen gelassen durch fliessenden Straßenverkehr, essen in Ruhe inmitten der bunten Konfettiregen ihrer Städte ihre Nudelsuppen und Reisgerichte. Es gibt keinen Stress, keine Prügeleien, kein Gepöbel. Wir fühlen uns überall und zu jeder Zeit auch mit den drei Mädels sicher und gut aufgehoben. Mag sein, dass es daran liegt, dass wir Muay Thai Kämpfe und Ping Pong Bars bisher ausgelassen haben und natürlich: wer Stress will, der wird ihn auch finden können. So aber lässt sich sagen, danke für die Vibes, Thailand. Peace!

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